Die Kunst des Gravel-Bikens

Aug 10, 2020

Die Kunst des Gravel-Bikens
Aug 10, 2020

Die Kunst des Gravel-Bikens

Aug 10, 2020

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben die meisten RadfahrerInnen direkt umgedreht, wenn sie plötzlich vor einer Schotterstraße standen. Heutzutage sucht das halbe Internet nach „unentdeckten“ Gravel-Pfaden und ein Gravel-Bike gehört für viele RadfahrerInnen zur Standardausrüstung. Da das ultimative Schotterrennen – das Strade Bianche in der Toskana – vor der Tür steht, werfen wir einen genauen Blick auf die wichtigsten Erfolgsfaktoren beim Fahren auf Schotter.
Gravel Rennen
Strade Bianche, was übersetzt so viel wie „weiße Straßen“ bedeutet, ist ein noch sehr junges klassisches Rennen. 2019 fand die 13. Ausgabe statt, 2020 folgte Nummer 14. Auf der noch kurzen Siegerliste stehen dennoch bereits einige sehr bekannte Namen. Der Schweizer Klassikerspezialist Fabian Cancellara gewann das Rennen dreimal, und der Pole Michal Kwiatkowski stand zweimal ganz oben auf dem Podium. Auffällig ist auch, dass es viele Querfeldeinfahrer – wie etwa Wout van Aert – aufs Treppchen geschafft haben. Dass ein Cyclocross-Spezialist wie Van Aert oder ein Kopfsteinpflaster-Experte wie Cancellara auf den Schotterpisten rund um Siena glänzen, überrascht kaum. Denn das Fahren auf Kopfsteinpflaster, Querfeldein- oder Schotterwegen unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom klassischen Rennradfahren auf Asphalt.
Rollwiderstand auf Schotter
Zunächst einmal sorgt der Schotter für einen deutlich höheren Rollwiderstand. Das bedeutet, dass bei konstanter Leistungsabgabe der Anteil des Rollwiderstands am Gesamtwiderstand auf Schotter viel größer ist als auf Asphalt. Unter der Annahme, dass die Steigung gleich bleibt, bedeutet dies wiederum, dass eine andere Widerstandskomponente – der Luftwiderstand – eine weniger wichtige Rolle spielt. Damit ist auch der sogenannte Windschatteneffekt (der Vorteil durch den geringeren Luftwiderstand, wenn du direkt hinter jemandem fährst) geringer. Mit anderen Worten: Du kannst dich als RadfahrerIn nicht so einfach im großen Peloton verstecken und Energie sparen wie auf der Straße, sondern musst dich viel mehr auf deine eigenen Beine verlassen. Aufgrund des erhöhten Rollwiderstands ist zudem das Tempo meist geringer, wodurch der Luftwiderstand noch weiter in den Hintergrund rückt und der Windschatteneffekt noch kleiner wird.
Hinzu kommt, dass es auf einer Schotterstraße oft nur eine oder zwei gut befahrbare Linien gibt. Deshalb zieht sich das Feld auf Schotter oft wie ein langes Band in die Länge. Wenn du zu weit hinten im Feld fährst, wird es extrem schwer, wieder nach vorne zu kommen (du musst eine lange Schlange von FahrerInnen überholen, während die Ideallinien auf dem Schotterweg ohnehin schon besetzt sind). Gute KlassikerfahrerInnen wissen daher genau, dass es überlebenswichtig ist, sich vor einem entscheidenden Schotterabschnitt ganz vorne im Feld zu positionieren – ob mit oder ohne Hilfe der Teamkollegen. Diese Taktik macht das Rennen nur noch härter, da der Kampf um die besten Positionen das Tempo im Feld weiter in die Höhe treibt.
Wie du Durchschläge (Snakebites) vermeidest
Wenn du den Schotterabschnitt erst einmal von weit vorne in Angriff genommen hast, solltest du nicht zu dicht am Hinterrad der Person vor dir kleben. Macht sie einen Fehler, hast du sofort auch ein Problem. Ein besserer Blick auf den vor dir liegenden Weg ist ein weiterer guter Grund, etwas Abstand zu halten oder weit vorne zu fahren. Zudem ist eine Schotterstraße selten makellos glatt, und du möchtest Schlaglöcher tunlichst vermeiden. Wenn du nämlich mit vollem Karacho durch solche Löcher donnerst, riskierst du an beiden Reifen einen platten Reifen durch Durchschläge (sogenannte Snakebites).
Ein hervorragendes Mittel gegen solche Pannen sind natürlich Tubeless-Reifen. Lässt sich ein Schlagloch einmal nicht mehr umfahren, ist es wichtig, den Hintern aus dem Sattel zu nehmen und dein Gewicht optimal zu verteilen. So federt dein Körper den Schlag ab und nicht die Felgen und Reifen deines Bikes. Zudem ist es ratsam, harte Schotterpassagen mit viel Schwung anzufahren und diesen Schwung so lange wie möglich mitzunehmen. Auch die richtige Lenkerhaltung ist eine echte Kunst: Du darfst ihn nicht zu fest umklammern, sonst hast du ruckzuck Blasen an den Händen. Aufgrund der unruhigen Piste musst du den Lenker aber dennoch mit einer gewissen Entschlossenheit führen. Dein Gewicht sollte dabei nicht zu sehr auf dem Vorderrad lasten, damit es sich spielerisch seinen Weg suchen kann. Schläge von Schlaglöchern federst du am besten locker mit den Armen ab.
Auf Schotter bist du als RadfahrerIn also viel mehr auf dich allein gestellt und profitierst weniger von deinen Teamkollegen oder Windschatten. Deshalb wollen alle von ganz vorne starten, um die eigene Linie zu wählen und die kinetische Energie optimal mitzunehmen. Das ist die perfekte Mischung für einen echten Radsport-Krimi auf jedem Schotterabschnitt – und genau das macht die Strade Bianche so packend und zu einem sofortigen Klassiker. Für uns HobbysportlerInnen steht beim Graveln dagegen meist das großartige Naturerlebnis in wunderschöner Umgebung im Vordergrund – ganz ohne Autos und störenden Verkehr.
Die Besonderheiten eines Gravel-BikesZum Schluss noch ein Wort zum Arbeitsgerät: Die Fahrradhersteller wollen dir natürlich einreden, dass jede/r unbedingt ein Gravel-Bike braucht. Die meisten Profis fahren im Alltag jedoch eher selten damit. Und wenn doch, ist das meistens eher eine PR-Aktion für den Sponsor als die freie Wahl der FahrerInnen. Im Vergleich zu einem normalen Rennrad hat ein Gravel-Bike eine etwas entspanntere Geometrie. Das bedeutet, dass der Lenkwinkel flacher ist und das Rad dadurch weniger nervös reagiert. Auch der Hinterbau ist oft etwas länger, was für mehr Laufruhe und Komfort sorgt. Das Gravel-Bike ist in der Regel darauf ausgelegt, auf unebenem Untergrund Schläge wegzustecken. Das macht diese Bikes für die Profis im Rennen jedoch oft zu schwer und nicht steif genug.
Reifen auf dem Gravel Bike
Ein Gravel-Bike bietet natürlich deutlich mehr Reifenfreiheit, damit du viel breitere Reifen als auf dem Rennrad fahren kannst. Je breiter der Reifen, desto weniger Luftdruck ist nötig, was den Komfort massiv erhöht. Tubeless-Reifen sind auch hier absolut empfehlenswert, da ohne Schlauch das Risiko von Snakebites fast gen null sinkt. Breitere Reifen sind allerdings auch schwerer, und durch das gröbere Profil ist ihr Rollwiderstand auf Asphalt deutlich höher. Zudem machen breitere Reifen Scheibenbremsen praktisch unumgänglich. Profis setzen daher meist auf Reifen, die nicht breiter als 26 bis 28 mm sind, um auf den Asphaltpassagen, die es in fast jedem Rennen gibt, keine Körner liegenzulassen.Wenn du dich nicht auf extrem grobe Schotterpisten wagst, kannst du auch problemlos dein normales Rennrad mit 28 mm oder 30 mm Tubeless-Reifen bestücken (sofern diese in den Rahmen passen) und mit etwas weniger Luftdruck als auf der Straße fahren. Lass deine Zipp 808 Laufräder vielleicht lieber im Keller und entscheide dich für eine flachere, robustere Felge mit ein paar Speichen mehr. Und fahr den ersten Schotterabschnitt am besten erst einmal entspannt an, anstatt direkt einen Sprint hinzulegen.
Es ist noch gar nicht so lange her, da haben die meisten RadfahrerInnen direkt umgedreht, wenn sie plötzlich vor einer Schotterstraße standen. Heutzutage sucht das halbe Internet nach „unentdeckten“ Gravel-Pfaden und ein Gravel-Bike gehört für viele RadfahrerInnen zur Standardausrüstung. Da das ultimative Schotterrennen – das Strade Bianche in der Toskana – vor der Tür steht, werfen wir einen genauen Blick auf die wichtigsten Erfolgsfaktoren beim Fahren auf Schotter.
Gravel Rennen
Strade Bianche, was übersetzt so viel wie „weiße Straßen“ bedeutet, ist ein noch sehr junges klassisches Rennen. 2019 fand die 13. Ausgabe statt, 2020 folgte Nummer 14. Auf der noch kurzen Siegerliste stehen dennoch bereits einige sehr bekannte Namen. Der Schweizer Klassikerspezialist Fabian Cancellara gewann das Rennen dreimal, und der Pole Michal Kwiatkowski stand zweimal ganz oben auf dem Podium. Auffällig ist auch, dass es viele Querfeldeinfahrer – wie etwa Wout van Aert – aufs Treppchen geschafft haben. Dass ein Cyclocross-Spezialist wie Van Aert oder ein Kopfsteinpflaster-Experte wie Cancellara auf den Schotterpisten rund um Siena glänzen, überrascht kaum. Denn das Fahren auf Kopfsteinpflaster, Querfeldein- oder Schotterwegen unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom klassischen Rennradfahren auf Asphalt.
Rollwiderstand auf Schotter
Zunächst einmal sorgt der Schotter für einen deutlich höheren Rollwiderstand. Das bedeutet, dass bei konstanter Leistungsabgabe der Anteil des Rollwiderstands am Gesamtwiderstand auf Schotter viel größer ist als auf Asphalt. Unter der Annahme, dass die Steigung gleich bleibt, bedeutet dies wiederum, dass eine andere Widerstandskomponente – der Luftwiderstand – eine weniger wichtige Rolle spielt. Damit ist auch der sogenannte Windschatteneffekt (der Vorteil durch den geringeren Luftwiderstand, wenn du direkt hinter jemandem fährst) geringer. Mit anderen Worten: Du kannst dich als RadfahrerIn nicht so einfach im großen Peloton verstecken und Energie sparen wie auf der Straße, sondern musst dich viel mehr auf deine eigenen Beine verlassen. Aufgrund des erhöhten Rollwiderstands ist zudem das Tempo meist geringer, wodurch der Luftwiderstand noch weiter in den Hintergrund rückt und der Windschatteneffekt noch kleiner wird.
Hinzu kommt, dass es auf einer Schotterstraße oft nur eine oder zwei gut befahrbare Linien gibt. Deshalb zieht sich das Feld auf Schotter oft wie ein langes Band in die Länge. Wenn du zu weit hinten im Feld fährst, wird es extrem schwer, wieder nach vorne zu kommen (du musst eine lange Schlange von FahrerInnen überholen, während die Ideallinien auf dem Schotterweg ohnehin schon besetzt sind). Gute KlassikerfahrerInnen wissen daher genau, dass es überlebenswichtig ist, sich vor einem entscheidenden Schotterabschnitt ganz vorne im Feld zu positionieren – ob mit oder ohne Hilfe der Teamkollegen. Diese Taktik macht das Rennen nur noch härter, da der Kampf um die besten Positionen das Tempo im Feld weiter in die Höhe treibt.
Wie du Durchschläge (Snakebites) vermeidest
Wenn du den Schotterabschnitt erst einmal von weit vorne in Angriff genommen hast, solltest du nicht zu dicht am Hinterrad der Person vor dir kleben. Macht sie einen Fehler, hast du sofort auch ein Problem. Ein besserer Blick auf den vor dir liegenden Weg ist ein weiterer guter Grund, etwas Abstand zu halten oder weit vorne zu fahren. Zudem ist eine Schotterstraße selten makellos glatt, und du möchtest Schlaglöcher tunlichst vermeiden. Wenn du nämlich mit vollem Karacho durch solche Löcher donnerst, riskierst du an beiden Reifen einen platten Reifen durch Durchschläge (sogenannte Snakebites).
Ein hervorragendes Mittel gegen solche Pannen sind natürlich Tubeless-Reifen. Lässt sich ein Schlagloch einmal nicht mehr umfahren, ist es wichtig, den Hintern aus dem Sattel zu nehmen und dein Gewicht optimal zu verteilen. So federt dein Körper den Schlag ab und nicht die Felgen und Reifen deines Bikes. Zudem ist es ratsam, harte Schotterpassagen mit viel Schwung anzufahren und diesen Schwung so lange wie möglich mitzunehmen. Auch die richtige Lenkerhaltung ist eine echte Kunst: Du darfst ihn nicht zu fest umklammern, sonst hast du ruckzuck Blasen an den Händen. Aufgrund der unruhigen Piste musst du den Lenker aber dennoch mit einer gewissen Entschlossenheit führen. Dein Gewicht sollte dabei nicht zu sehr auf dem Vorderrad lasten, damit es sich spielerisch seinen Weg suchen kann. Schläge von Schlaglöchern federst du am besten locker mit den Armen ab.
Auf Schotter bist du als RadfahrerIn also viel mehr auf dich allein gestellt und profitierst weniger von deinen Teamkollegen oder Windschatten. Deshalb wollen alle von ganz vorne starten, um die eigene Linie zu wählen und die kinetische Energie optimal mitzunehmen. Das ist die perfekte Mischung für einen echten Radsport-Krimi auf jedem Schotterabschnitt – und genau das macht die Strade Bianche so packend und zu einem sofortigen Klassiker. Für uns HobbysportlerInnen steht beim Graveln dagegen meist das großartige Naturerlebnis in wunderschöner Umgebung im Vordergrund – ganz ohne Autos und störenden Verkehr.
Die Besonderheiten eines Gravel-BikesZum Schluss noch ein Wort zum Arbeitsgerät: Die Fahrradhersteller wollen dir natürlich einreden, dass jede/r unbedingt ein Gravel-Bike braucht. Die meisten Profis fahren im Alltag jedoch eher selten damit. Und wenn doch, ist das meistens eher eine PR-Aktion für den Sponsor als die freie Wahl der FahrerInnen. Im Vergleich zu einem normalen Rennrad hat ein Gravel-Bike eine etwas entspanntere Geometrie. Das bedeutet, dass der Lenkwinkel flacher ist und das Rad dadurch weniger nervös reagiert. Auch der Hinterbau ist oft etwas länger, was für mehr Laufruhe und Komfort sorgt. Das Gravel-Bike ist in der Regel darauf ausgelegt, auf unebenem Untergrund Schläge wegzustecken. Das macht diese Bikes für die Profis im Rennen jedoch oft zu schwer und nicht steif genug.
Reifen auf dem Gravel Bike
Ein Gravel-Bike bietet natürlich deutlich mehr Reifenfreiheit, damit du viel breitere Reifen als auf dem Rennrad fahren kannst. Je breiter der Reifen, desto weniger Luftdruck ist nötig, was den Komfort massiv erhöht. Tubeless-Reifen sind auch hier absolut empfehlenswert, da ohne Schlauch das Risiko von Snakebites fast gen null sinkt. Breitere Reifen sind allerdings auch schwerer, und durch das gröbere Profil ist ihr Rollwiderstand auf Asphalt deutlich höher. Zudem machen breitere Reifen Scheibenbremsen praktisch unumgänglich. Profis setzen daher meist auf Reifen, die nicht breiter als 26 bis 28 mm sind, um auf den Asphaltpassagen, die es in fast jedem Rennen gibt, keine Körner liegenzulassen.Wenn du dich nicht auf extrem grobe Schotterpisten wagst, kannst du auch problemlos dein normales Rennrad mit 28 mm oder 30 mm Tubeless-Reifen bestücken (sofern diese in den Rahmen passen) und mit etwas weniger Luftdruck als auf der Straße fahren. Lass deine Zipp 808 Laufräder vielleicht lieber im Keller und entscheide dich für eine flachere, robustere Felge mit ein paar Speichen mehr. Und fahr den ersten Schotterabschnitt am besten erst einmal entspannt an, anstatt direkt einen Sprint hinzulegen.
Es ist noch gar nicht so lange her, da haben die meisten RadfahrerInnen direkt umgedreht, wenn sie plötzlich vor einer Schotterstraße standen. Heutzutage sucht das halbe Internet nach „unentdeckten“ Gravel-Pfaden und ein Gravel-Bike gehört für viele RadfahrerInnen zur Standardausrüstung. Da das ultimative Schotterrennen – das Strade Bianche in der Toskana – vor der Tür steht, werfen wir einen genauen Blick auf die wichtigsten Erfolgsfaktoren beim Fahren auf Schotter.
Gravel Rennen
Strade Bianche, was übersetzt so viel wie „weiße Straßen“ bedeutet, ist ein noch sehr junges klassisches Rennen. 2019 fand die 13. Ausgabe statt, 2020 folgte Nummer 14. Auf der noch kurzen Siegerliste stehen dennoch bereits einige sehr bekannte Namen. Der Schweizer Klassikerspezialist Fabian Cancellara gewann das Rennen dreimal, und der Pole Michal Kwiatkowski stand zweimal ganz oben auf dem Podium. Auffällig ist auch, dass es viele Querfeldeinfahrer – wie etwa Wout van Aert – aufs Treppchen geschafft haben. Dass ein Cyclocross-Spezialist wie Van Aert oder ein Kopfsteinpflaster-Experte wie Cancellara auf den Schotterpisten rund um Siena glänzen, überrascht kaum. Denn das Fahren auf Kopfsteinpflaster, Querfeldein- oder Schotterwegen unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom klassischen Rennradfahren auf Asphalt.
Rollwiderstand auf Schotter
Zunächst einmal sorgt der Schotter für einen deutlich höheren Rollwiderstand. Das bedeutet, dass bei konstanter Leistungsabgabe der Anteil des Rollwiderstands am Gesamtwiderstand auf Schotter viel größer ist als auf Asphalt. Unter der Annahme, dass die Steigung gleich bleibt, bedeutet dies wiederum, dass eine andere Widerstandskomponente – der Luftwiderstand – eine weniger wichtige Rolle spielt. Damit ist auch der sogenannte Windschatteneffekt (der Vorteil durch den geringeren Luftwiderstand, wenn du direkt hinter jemandem fährst) geringer. Mit anderen Worten: Du kannst dich als RadfahrerIn nicht so einfach im großen Peloton verstecken und Energie sparen wie auf der Straße, sondern musst dich viel mehr auf deine eigenen Beine verlassen. Aufgrund des erhöhten Rollwiderstands ist zudem das Tempo meist geringer, wodurch der Luftwiderstand noch weiter in den Hintergrund rückt und der Windschatteneffekt noch kleiner wird.
Hinzu kommt, dass es auf einer Schotterstraße oft nur eine oder zwei gut befahrbare Linien gibt. Deshalb zieht sich das Feld auf Schotter oft wie ein langes Band in die Länge. Wenn du zu weit hinten im Feld fährst, wird es extrem schwer, wieder nach vorne zu kommen (du musst eine lange Schlange von FahrerInnen überholen, während die Ideallinien auf dem Schotterweg ohnehin schon besetzt sind). Gute KlassikerfahrerInnen wissen daher genau, dass es überlebenswichtig ist, sich vor einem entscheidenden Schotterabschnitt ganz vorne im Feld zu positionieren – ob mit oder ohne Hilfe der Teamkollegen. Diese Taktik macht das Rennen nur noch härter, da der Kampf um die besten Positionen das Tempo im Feld weiter in die Höhe treibt.
Wie du Durchschläge (Snakebites) vermeidest
Wenn du den Schotterabschnitt erst einmal von weit vorne in Angriff genommen hast, solltest du nicht zu dicht am Hinterrad der Person vor dir kleben. Macht sie einen Fehler, hast du sofort auch ein Problem. Ein besserer Blick auf den vor dir liegenden Weg ist ein weiterer guter Grund, etwas Abstand zu halten oder weit vorne zu fahren. Zudem ist eine Schotterstraße selten makellos glatt, und du möchtest Schlaglöcher tunlichst vermeiden. Wenn du nämlich mit vollem Karacho durch solche Löcher donnerst, riskierst du an beiden Reifen einen platten Reifen durch Durchschläge (sogenannte Snakebites).
Ein hervorragendes Mittel gegen solche Pannen sind natürlich Tubeless-Reifen. Lässt sich ein Schlagloch einmal nicht mehr umfahren, ist es wichtig, den Hintern aus dem Sattel zu nehmen und dein Gewicht optimal zu verteilen. So federt dein Körper den Schlag ab und nicht die Felgen und Reifen deines Bikes. Zudem ist es ratsam, harte Schotterpassagen mit viel Schwung anzufahren und diesen Schwung so lange wie möglich mitzunehmen. Auch die richtige Lenkerhaltung ist eine echte Kunst: Du darfst ihn nicht zu fest umklammern, sonst hast du ruckzuck Blasen an den Händen. Aufgrund der unruhigen Piste musst du den Lenker aber dennoch mit einer gewissen Entschlossenheit führen. Dein Gewicht sollte dabei nicht zu sehr auf dem Vorderrad lasten, damit es sich spielerisch seinen Weg suchen kann. Schläge von Schlaglöchern federst du am besten locker mit den Armen ab.
Auf Schotter bist du als RadfahrerIn also viel mehr auf dich allein gestellt und profitierst weniger von deinen Teamkollegen oder Windschatten. Deshalb wollen alle von ganz vorne starten, um die eigene Linie zu wählen und die kinetische Energie optimal mitzunehmen. Das ist die perfekte Mischung für einen echten Radsport-Krimi auf jedem Schotterabschnitt – und genau das macht die Strade Bianche so packend und zu einem sofortigen Klassiker. Für uns HobbysportlerInnen steht beim Graveln dagegen meist das großartige Naturerlebnis in wunderschöner Umgebung im Vordergrund – ganz ohne Autos und störenden Verkehr.
Die Besonderheiten eines Gravel-BikesZum Schluss noch ein Wort zum Arbeitsgerät: Die Fahrradhersteller wollen dir natürlich einreden, dass jede/r unbedingt ein Gravel-Bike braucht. Die meisten Profis fahren im Alltag jedoch eher selten damit. Und wenn doch, ist das meistens eher eine PR-Aktion für den Sponsor als die freie Wahl der FahrerInnen. Im Vergleich zu einem normalen Rennrad hat ein Gravel-Bike eine etwas entspanntere Geometrie. Das bedeutet, dass der Lenkwinkel flacher ist und das Rad dadurch weniger nervös reagiert. Auch der Hinterbau ist oft etwas länger, was für mehr Laufruhe und Komfort sorgt. Das Gravel-Bike ist in der Regel darauf ausgelegt, auf unebenem Untergrund Schläge wegzustecken. Das macht diese Bikes für die Profis im Rennen jedoch oft zu schwer und nicht steif genug.
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